Der schriftliche Teil ist das Rückgrat der Bankfachwirt-Prüfung. Er besteht aus drei anspruchsvollen Aufgaben, die die sechs Handlungsbereiche abdecken. Diese Seite zeigt Aufbau, Aufgabentypen und Vorbereitungsstrategien.
Die drei Aufgabenblöcke
Der schriftliche Teil umfasst drei Aufgaben, die auf mehrere Prüfungstage verteilt werden.
Aufgabe 1: Bankwirtschaftliche Steuerung. Behandelt Handlungsbereich 1 (Bankwirtschaftliche Grundlagen), Teile von Handlungsbereich 2 (Bankbetriebswirtschaft), Handlungsbereich 3 (Volks- und Finanzwirtschaft). Dauer rund 3 bis 4 Stunden.
Aufgabe 2: Finanzierungs- und Kreditgeschäft. Entspricht Handlungsbereich 4. Dauer rund 3 bis 4 Stunden. Typisch die anspruchsvollste Aufgabe.
Aufgabe 3: Privatkundengeschäft. Umfasst Handlungsbereich 5 und Teile von 6. Dauer rund 3 bis 4 Stunden.
Jede Aufgabe ist situationsbezogen formuliert: Der Kandidat erhält eine konkrete betriebliche Situation, häufig mit Zahlen, Beteiligten und Rahmenbedingungen, und muss darauf aufbauend Analyse, Bewertung und Handlungsempfehlung erarbeiten.
Aufgabentypen im Detail
Rechen- und Analyseaufgaben. Vor allem in Aufgabe 1 und 2: Kalkulationen, Deckungsbeitragsrechnung, Zinsberechnungen, Cashflow-Analysen, Bilanzkennzahlen, Bonitätsbewertung.
Fallaufgaben. Ein Kunde schildert eine Situation – typisch etwa eine Baufinanzierung, einen Betriebsmittelkredit, eine Wertpapierberatung – und der Kandidat soll beraten, bewerten oder entscheiden.
Text- und Erörterungsaufgaben. Fragen zu makroökonomischen Zusammenhängen, Geldpolitik, regulatorischen Rahmen, Ethikthemen.
Multiple-Teilaufgaben. Eine Hauptaufgabe wird in mehrere Teilfragen gegliedert, mit unterschiedlichen Punktebewertungen.
Bewertung
Jede Aufgabe wird mit Punkten von 0 bis 100 bewertet. Die Bestehensgrenze liegt bei 50 Punkten pro Aufgabe. Unter 50 Punkten gilt die Aufgabe als nicht bestanden; unter 30 Punkten ist auch keine Ergänzungsprüfung mehr möglich.
Punkte werden vergeben für: sachliche Richtigkeit, strukturierte Darstellung, handlungsorientierte Schlussfolgerung, wirtschaftliche Begründung, regulatorische Vollständigkeit.
Vorbereitung
Altklausuren bearbeiten. Die letzten drei bis vier Prüfungen komplett durchrechnen. Formulierungen prägen sich ein, Zeitgefühl entsteht.
Strukturschema einüben. Jede Aufgabe nach gleichem Muster bearbeiten: Situationsanalyse, regulatorischer Rahmen, Handlungsoptionen, Entscheidung, Begründung, Kontrolle.
Rechnen trainieren. Deckungsbeitrag, Rentabilität, Zinsrechnung, Bonitätsbewertung. Diese Rechnungen müssen unter Zeitdruck sitzen.
Aktuelle Marktlage verfolgen. EZB-Leitzinsen, Inflationsraten, Konjunkturlage. Viele Aufgaben greifen aktuelle Themen auf.
Regulatorik aufbereiten. MaRisk, Basel, WpHG, MiFID, KWG, GwG – die wichtigsten Eckpunkte auswendig können.
Zeitmanagement während der Klausur
Erste 15 Minuten. Aufgabenstellung komplett lesen, Punkte je Teilaufgabe notieren, groben Zeitplan skizzieren.
Mittelteil. Strukturiert abarbeiten, bei Blockaden nicht festbeißen.
Letzte 30 Minuten. Durchsicht, fehlende Begründungen nachziehen, Rechnungen prüfen.
Erlaubte Hilfsmittel
Unkommentierte Gesetzestexte (BGB, HGB, KWG, WpHG, GwG, BaFin-Rundschreiben), nicht programmierbare Taschenrechner, Formelsammlungen für den finanzmathematischen Teil. Die verbindliche Liste veröffentlicht jede IHK vor der Prüfung.
Häufige Fragen
Nur unkommentierte Texte. Markierungen und Anmerkungen sind meist verboten.
Keine feste Vorgabe. Qualität vor Quantität. Typisch sind fünf bis zehn handschriftliche Seiten pro Aufgabe.
Folgefehler werden in der Regel nicht mehrfach bewertet. Eine sauber dargestellte Rechenkette zählt, auch wenn das Endergebnis falsch ist.
Ja, und ausdrücklich erwünscht. Organigramme, Flussdiagramme und Berechnungstabellen bringen Punkte.
Nächster Schritt
Wie der mündliche Teil aufgebaut ist und welche Rolle das Fachgespräch spielt, erfährst du auf der Seite Mündliche Prüfung Bankfachwirt.