Die Inhalte der Fortbildung sind in der Rahmenordnung des DIHK bundeseinheitlich festgelegt. Sie gliedern sich in sechs Handlungsbereiche. Diese Seite zeigt jeden Handlungsbereich im Detail und gibt eine Priorisierung für den Lernplan.
Handlungsbereich 1: Bankwirtschaftliche Grundlagen
Der Einstieg in die Steuerung einer Bank. Hier wird die Bank als Unternehmen verstanden.
Rechnungswesen und Controlling. Aufbau der Bankbilanz, Gewinn- und Verlustrechnung einer Bank, Deckungsbeitragsrechnung, Marktzinsmethode, Opportunitätskalkulation, Bankcontrolling-Kennzahlen (Zinsüberschuss, Provisionsüberschuss, Cost-Income-Ratio, Eigenkapitalrentabilität).
Risikosteuerung. Kreditrisiko, Marktrisiko, Liquiditätsrisiko, operationelles Risiko. Grundzüge von Basel II, III und IV. Value at Risk, Expected Shortfall, Stress-Tests. MaRisk als zentrales regulatorisches Rahmenwerk.
Strategische Unternehmensführung. Strategische Positionierung einer Bank, Wettbewerbsanalyse, Geschäftsmodellarchitektur, Filialkonzepte, Digitalisierungsstrategien.
Handlungsbereich 2: Allgemeine Bankbetriebswirtschaft
Hier geht es um die operative Gestaltung einer Bank.
Bankorganisation. Aufbauorganisation (Frontoffice, Backoffice, Stabstellen), Ablauforganisation, Schnittstellen, Vertriebssteuerung, interne Dienstleistungen.
Marketing und Vertrieb. Bankmarketing-Strategien, Kundensegmentierung, Cross-Selling, Up-Selling, digitale Vertriebskanäle, Customer Journey.
Produktwissen. Überblick über das gesamte Produktportfolio einer Universalbank – Einlagen, Kredite, Wertpapiere, Zahlungsverkehr, Versicherungen im Verbund.
Handlungsbereich 3: Volks- und Finanzwirtschaft
Makroökonomische Grundlagen als Kontext des Bankgeschäfts.
Makroökonomie. Inflation, Deflation, Konjunkturzyklen, Arbeitsmarkt, Staatshaushalt, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Währungssysteme.
Geldpolitik. Ziele und Instrumente der Europäischen Zentralbank (EZB), Leitzinsen, Offenmarktgeschäfte, Anleihekaufprogramme, Forward Guidance. Auswirkungen der Geldpolitik auf das Bankgeschäft.
Finanzmärkte. Geldmarkt, Kapitalmarkt, Devisenmarkt, Börsen. Anleihen, Aktien, Derivate, Investmentfonds, ETFs. Bewertung, Kursbildung, Handelsmechanismen.
Handlungsbereich 4: Finanzierungs- und Kreditgeschäft
Der wichtigste fachliche Block – und oft der anspruchsvollste für Kandidaten ohne Kreditpraxis.
Kreditarten. Ratenkredit, Dispositionskredit, Baufinanzierung, Betriebsmittelkredit, Investitionskredit, Leasing, Factoring, Forfaitierung.
Bonitätsprüfung. Privatpersonen (Einkommens- und Ausgabenrechnung, Schufa, interne Scoringverfahren). Unternehmen (Jahresabschlussanalyse, Cashflow-Analyse, Bilanzkennzahlen, Rating-Systeme).
Sicherheiten. Grundschulden, Hypotheken, Bürgschaften, Sicherungsübereignung, Forderungsabtretungen, Verpfändungen.
Kreditvertrag und Kreditüberwachung. Rechtliche Grundlagen, Vertragsgestaltung, Monitoring, Problemkreditbearbeitung, Sanierung, Abwicklung.
Regulatorik. Basel-Regelwerke, KWG, MaRisk, CRR, Eigenkapitalanforderungen, Risikogewichtung.
Handlungsbereich 5: Privatkundengeschäft
Das Kerngeschäft vieler Bankfachwirte.
Anlageberatung. Bedarfsanalyse, Risikoprofiling, Produktauswahl nach Anlegertypen, Dokumentation nach WpHG-Beratungsprotokoll, MiFID-II-Anforderungen.
Vermögensaufbau. Sparen, Tagesgeld, Festgeld, Investmentfonds, Aktien, Anleihen, ETFs, Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge.
Baufinanzierung. Immobilienbewertung, Annuitätenkredit, Tilgungsdarlehen, KfW-Programme, Wohnriester, Bausparen. Sachkundeprüfung nach §34i GewO.
Kreditwürdigkeit im Privatkundenbereich. Schufa, Einkommensanalyse, Haushaltsrechnung, Verbraucherkredit.
Zahlungsverkehr. SEPA, Giro- und Kreditkarten, Online-Banking, Sicherheit, Betrugsprävention.
Handlungsbereich 6: Unternehmenssteuerung und Führung
Die Soft-Skills- und rechtlichen Rahmenthemen.
Personalführung. Führungsstile, Mitarbeitergespräch, Zielvereinbarung, Leistungsbeurteilung, Motivation, Konfliktmanagement, Delegation.
Kommunikation. Gesprächsführung, Moderation, Präsentation, schriftliche Kommunikation, Kundendialog, interne Abstimmung.
Recht. Arbeitsrecht, Banken- und Vertragsrecht, Datenschutz, Geldwäschegesetz, Sachkundepflichten.
Ethik und Compliance. Bankgeheimnis, Verhaltenskodex, Umgang mit Interessenkonflikten, Whistleblowing.
Priorisierung für den Lernplan
Hohe Priorität. Handlungsbereich 4 (Finanzierungs- und Kreditgeschäft) und Handlungsbereich 5 (Privatkundengeschäft) – beide zusammen machen den Großteil der Prüfung aus.
Mittlere Priorität. Handlungsbereiche 1, 2 und 3 – wichtig, aber oft konzentrierter in der Prüfung.
Niedrigere Priorität. Handlungsbereich 6 – für viele Absolventen vertraut aus der Praxis.
Häufige Fragen
Ja. Bankfachschule Düsseldorf, Verlag Bank-Verlag, Compendio und Knowhow-Point bieten Fortbildungsliteratur speziell für den Bankfachwirt.
Grob: Handlungsbereich 4 rund 25 Prozent, Handlungsbereich 5 rund 20 Prozent, Handlungsbereiche 1-3 je 15 Prozent, Handlungsbereich 6 rund 10 Prozent.
Nein. Die Prüfung fragt verstehend und handlungsorientiert, nicht enzyklopädisch.
Sehr wichtig, besonders für Handlungsbereich 3. Wer die aktuelle Geldpolitik der EZB nicht kennt, hat Lücken.
Nächster Schritt
Wie die Prüfung konkret abläuft, erfährst du auf der Seite Prüfung Bankfachwirt.